Kritik an ‚Fairwashing‘

Wohl bekannt sind ‚Fair Play‘ und ‚Fair Trade‘ – was aber bedeutet ‚Fair Washing‘ oder ‚fairwashing‘?

Kürzlich ist ein Artikel in der GEW-Zeitschrift „Erziehung und Wissenschaft“ (02/2015) über „Kinderschutz oder Fairwashing“ erschienen: Darin wird das neue Fairtrade-Siegel für Schokoladenprodukte (Fairtrade-Kakao-Programm-Label)  diskutiert. Für dieses Siegel müssen Hersteller nicht mehr zu 100 Prozent fairen Kakao und andere fair erhältliche Zutaten verarbeiten, es reichen auch weitaus geringere Mengen. Das neue Siegel soll den Verkauf fairer Rohstoffe ankurbeln, doch Kritiker befürchten ‚Fairwashing‚. So nennen sie den Versuch konventioneller Hersteller und Handelsketten, sich ein soziales Mäntelchen umzuhängen.

Hier funktioniert ein Trick, den Martina Hahn in ihrem Buch „Fair einkaufen – aber wie?“ (E&W 01/2014) aufdeckt: Weil ‚fair‘ (gerecht, anständig, den Regeln entsprechend) kein geschützter Begriff ist, können Organisationen und Handel entsprechende Siegel, Zeichen und Marken entwickeln, die häufig falsche Hoffnungen wecken.

Fairwashing‚ oder auch ‚cleanwashing‚  (Reinwaschen) folgt dem gleichen Muster wie ‚Greenwashing‚ (Wikipedia: wörtlich ‚grünwaschen‘, übertragen: ’sich ein grünes Mäntelchen umhängen‘). Der Begriff spielt auf ‚grün‘ als Symbol für Natur und Umweltschutz und auf ‚waschen‘ im Sinne von Geldwäsche an. Beide Begriffe sind  Analogiebildungen zu whitewashing (englisch für schönfärben, übertragen: ’sich eine weiße Weste verschaffen‘).

In den Kapagnen von Fair Trade stehen beide Begriffe häufig zusammen, wie in folgendem Blogbeitrag (fett gedruckt):

„Da kommen faire Siegel wie Fairtrade und wachsweiche Nachhaltigkeitsinitiativen wie Rainforest Alliance gerade recht. Sie bieten die ideale Plattform, um aller Welt zu zeigen, wie fair und nachhaltig man doch geworden ist. Green- und Fairwashing vom Feinsten. Der Trick scheint zu funktionieren, die Konsumenten sind ruhig gestellt, das Gewissen ist beruhigt. Ob das Geschäftsmodell von Nespresso möglicherweise alles andere als nachhaltig ist (s. Blogbeitrag „Umweltfreundliche Kaffeekapsel – wie ein Schweizer Uhrmacher einenSchweizer Weltkonzern ärgert), wird dann nicht mehr hinterfragt.“*)

DIE GRÜNEN nutzten diese Begriffe in einer offiziellen Anfrage (11.6.2014): „Wie schätzt die Bundesregierung die Gefahr des staatlich zertifizierten Green- bzw. Fair Washing ein, bzw. wie will sie dieses verhindern?

‚Fairwashing‘ hat es also in sich, nicht nur inhaltlich sondern auch sprachlich: Offensichtlich kann ‚Fairwashing‘ wie auch ‚Greenwashing‘ einen komplexen Sachverhalt auf den Punkt bringen. Die wörtliche Übersetzung ‚fairwaschen‘ wäre zumindest erklärungsbedürftig (nur ‚weißwaschen‘ ist ein verbreiteter Begriff), und die Umschreibung ’sich ein soziales (oder ‚faires‘) Mäntelchen umhängen‘ wäre zu umständlich und wenig präzise. ‚Fairwashing‘ füllt somit im Deutschen eine Wortlücke, doch vermutlich bleibt es ein Begriff für Fachkreise.

Sabine Manning

*) Faire Kaffeekapsel lässt Kritik verstummen. Beitrag von Quetzalfeder. Fair einkaufen aber wie: blogspot.com 2013/08 [Link]

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