Englische Treffer und Ausrutscher

Sich des Englischen zu bedienen ist in der Regel hilfreich und nützlich, zumal man ja auf zahlreiche „gute“ Anglizismen zugreifen kann, Scheinanglizismen übrigens eingeschlossen. Bringen diese doch schnell und unkompliziert die Dinge auf den Punkt. Wer kann schon auf Anhieb ein kurzes und präzises Nächstes Deutsches Äquivalent (NDÄ) formulieren, z.B. für die folgenden Anglizismen:

Reisener Anglizismen 2

Littger Buch

Freilich kann es dabei auch zu skurrilen und oft auch lustigen Fehlbildungen kommen, wie sie ja Peter Littger in seinem Bestseller THE DEVIL LIES IN THE DETAIL (Köln, 2015) fleißig gesammelt und präsentiert hat.

Und das alles geschieht natürlich mit der Weltsprache Englisch auch weltweit, wobei dann der englischen Sprache einiges angetan werden kann, denn mit rund 200.000 Wörtern im allgemeinen Gebrauch und einer Rechtschreibung, die auf der Aussprache des 17. Jahrhunderts beruht, kann es zu einer Fülle von komischen booby traps kommen, wie die folgenden Beispiele aus meiner Sammlung*) humorvoll belegen:

Reisener Aussprüche 2

Broken English 002Im Hinblick auf das Spektrum der Länder, in denen die obigen Beispiele gefunden wurden, fallen zwei Aspekt ins Auge: Es handelt sich zum Einen um Länder, in denen das Englischlernen (z.B. verpflichtend an Schulen) nach den politischen Umwälzungen der letzten zwei Jahrzehnte noch nicht so nachhaltig tradiert ist. Zum Andern aber sind es Länder, deren jeweilige Muttersprache vom Englischen in verwandtschaftlicher Hinsicht weit bis sehr weit entfernt ist. Die ehemaligen Mitglieder des britischen Empire wie z.B. Indien haben da wiederum eine andere Geschichte. Aber allen ist das Bemühen zu konzedieren, dass sie an der Globalisierung unbedingt teilhaben wollen. Auch ist anzunehmen, dass alle obigen ‚Ausrutscher‘ und deren Mitteilungsabsichten dennoch ‚Treffer‘ waren und also verstanden und beachtet wurden.

*) Anstelle von Quellenangaben möchte ich meinen Kollegen, Freunden und Verwandten dafür danken, dass sie anlässlich ihrer Dienst- oder Urlaubsreisen über Jahre hinweg eine Fülle von Beispielen für mich und meine Sammlung aufgeschrieben haben.

Gastbeitrag von Helmut Reisener

Bildquellen: (1) Buch v. Peter Littger auf Spiegel Online: Fluent English; (2) AngliLupe (HR/SM)

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5 Gedanken zu „Englische Treffer und Ausrutscher

  1. Ich verfolge mit Interesse die Diskussionen über Besonderheiten in der deutschen und englischen Sprache. Ich bin stolz auf meine Muttersprache, aber ich denke es ist vernünftig, wenn im Verlaufe der Jahre passende Wörter aus anderen Sprachen ins Deutsche übernommen werden. Ich wehre mich aber dagegen, unsere Sprache durch unüberlegtes Einfügen von Anglizismen fast unverständlich zu machen. Gar nicht akzeptabel für mich ist die Anwendung der deutschen Grammatik auf englische Wörter im deutschen Satz (gegoogelt, performed u. ä.).

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    • Liebe Frau Hesse,
      gerade in der Übernahme und „Eindeutschung“ bekannter und gebräuchlicher englischer Begriffe sehe ich die Stärke, Lebendigkeit und Dynamik der deutschen Sprache. Insbesondere möchte ich das an Verben wie googeln, twittern, joggen, bloggen, stylen, mailen, simsen, chatten, verlinken, sich outen, etc. festmachen. Unsere Welt verändert sich, nationale Schranken fallen. Wir sprechen von einer zunehmenden Globalisierung und weltweiten medialen Vernetzung. Das Internet, Google und Facebook haben unseren Alltag spürbar verändert. Diese Entwicklung macht auch vor der deutschen Sprache nicht halt, die sich ebenfalls entwickelt und verändert. Ich nenne es nicht Invasion der Anglizismen, sondern Sprachdemokratie. Was von Millionen Deutschen gesprochen wird, ist demnach mehrheitsfähig und setzt sich durch. Egal, ob es der Einzelne für gut befindet oder nicht. Manchen Trends kann man sich entziehen, manchen nicht. Man muss ja nicht unbedingt „Trendsetter“ spielen wollen.

      Wenn wir diese „trendigen“ Begriffe schon in unseren Sprachalltag integriert haben, dann ist es doch nur konsequent, dass sie auch den Konjugationsregeln der deutschen Sprache unterworfen werden. Auf diese Weise assimiliert, vielleicht wäre „kannibalisiert“ die treffendere Bezeichnung, stellen sie wenigstens keine „unverdauten sprachlichen Fremdkörper“ mehr dar und sind ’stante pede‘ in der deutschen Alltagssprache aufgegangen. Und Begriffe wie „Facebook“, „WhatsApp“ & Co. bekommen wir als „facebooken“ und „whatsappen“ auch noch kleingedeutscht. Es bleibt jedoch jedem Liebhaber und Bewahrer der deutschen Sprache unbenommen, sich dem Trend zu widersetzen, gegen sprachliche Überfremdung zu wehren, gegen den anglizistischen Mahlstrom zu rudern und sich passender NDÄs zu bedienen, um Anglizismen oder denglische Zwitterwesen außen vorzulassen. Darüber kann man abstimmen, voten oder es auch sein lassen.

      Sonnige Herbstgrüße
      Volkmar Schmid

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      • Lieber Herr Dr. Schmid,
        erlauben Sie mir eine direkte Antwort auf Ihren Kommentar.

        Ich kann mich der Logik Ihrer Gedanken nicht verschließen, möchte aber doch noch einiges zu bedenken geben. Auch ich bin der Meinung, dass in einer globalen Welt die deutsche Sprache offen sein muss für Einflüsse aus anderen Sprachen. Aber man sollte es behutsam machen und bedenken, dass man durch den unbedachten Einsatz von Wörtern aus dem Englischen (ebenso aus anderen Sprachen) nicht wenige Menschen, vorwiegend Ältere, die keine Möglichkeit zum Erlernen einer Fremdsprache hatten, vom Verständnis ausschließt.
        Ich selbst gehöre zu den Älteren, habe mich aber immer mit Englisch beschäftigt und versucht, andere an diese Sprache heranzuführen. Der Wunsch meiner Teilnehmer ging dahin, mitreden und verstehen zu können, wenn sie auf englische Begriffe stoßen und diese auch aussprechen zu können.
        Wir haben gemeinsam versucht zu ergründen, warum bestimmte Bereiche des Lebens, beispielsweise die Deutsche Bahn, der Sport und die Mode, aber auch Privatpersonen versuchen, die deutsche Sprache durch die Verwendung von englischen Begriffen “aufzuwerten”. Ich finde es befremdlich, wenn Menschen im deutschen Sprachgebrauch englische Wörter ungenau benutzen oder sie falsch aussprechen. Für mich gilt Voltaires Ausspruch, den Wolf Schneider in seinem Buch “Speak German” zitiert:
        ”Verwende nie ein neues Wort, wenn es nicht drei Eigenschaften hat: es muss notwendig sein, es muss verständlich sein und es muss wohlklingend sein.”
        Wollen nicht manche Zeitgenossen vor allem Weltläufigkeit demonstrieren, wenn sie etwas “downloaden”, im “Service Point” eine Zeitung erwerben oder im “factory outlet” ein Kleid im ”animal print” kaufen? Die Beispiele könnte man endlos fortsetzen.
        Es ist nichts dagegen einzuwenden, gute prägnante Ausdrücke aus dem Englischen zu gebrauchen, wenn das deutsche Wort länger oder unverständlicher von der Aussage her ist.
        Zunächst sollten wir aber doch unsere Kinder anhalten, ihre Muttersprache zu beherrschen und sich einen Fundus an deutschem Kulturgut anzueignen. Die Beherrschung der Muttersprache ist eine wesentliche Voraussetzung für das Erlernen einer Fremdsprache.

        Mit herbstlichen Grüßen
        Regina Hesse

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  2. Im Netzwerk Xing wurde der Beitrag „Englische Treffer und Ausrutscher“ ebenfalls diskutiert. Wir übermitteln daraus Auszüge – mit freundlicher Zustimmung der Beteiligten.

    10./11.09.2015 (Gruppe „Treffpunkt Fremdsprachen“):

    Heidi Reinhardt (http://www.web-reinhardt.de/)
    Sehr interessanter Artikel. Wir Amerikaner kennen das Wort „wellness“ allerdings nicht in dem Zusammenhang wie es in Deutschland verwendet wird. Genauso wie „public viewing“…

    Alf-Thorsten Hausmann
    Jetzt würde ich gerne wissen, in welchem Zusammenhang „wellness“ in Amerika verstanden wird. Was ein „public viewing“ eigentlich ist, weiß ich wohl.

    Heidi Reinhardt
    „wellness“ bedeutet „Wohlbefinden“ und wird nicht im Zusammenhang mit Massage, Sauna, Dampfbad etc. verwendet. Dazu sagen wir in den USA „spa“ (= dt. Wellness-Center).

    Alf-Thorsten Hausmann
    Sehr interessant. Wenn man denn von einem Spa-Center spräche, wüsste die eine Hälfte nicht, wovon die Rede ist, und die andere Hälfte denkt an den Formel-1-Kurs im belgischen Spa, befürchte ich.

    Christian Schiller
    „Broken English spoken perfectly“ – entwaffnend ehrlich und rhetorisch 1A.

    Dr. Sabine Manning
    Zur erbaulichen Diskussion über ‚Wellness‘: Auch Engländer können mit dem Begriff, wie er im Deutschen verbreitet ist, wenig anfangen. Hier ein Zitat dazu:
    „A word – in both languages – that is unclear on account of its ambiguity is ‘wellness’. In English, one problem is its closeness to two other terms with clear meanings: ‘welfare’ (social benefits) and ‘wellbeing’ (general health and happiness). As ‘wellness’ moves vaguely between ‘health’ and ‘emotional satisfaction’, it doesn’t really say anything except as a slogan for the advertiser.“ (John Manning: „What should it be?“ in Praxis Fremdsprachenunterricht – Englisch 6/2015)

    14.9.2015 (Gruppe „Deutsch für Profis“):

    Dr. Volkmar Schmid
    Ich hoffe nicht, dass die für die Auslösung der „booby traps“ verantwortlichen Texter dabei selber zu Tode gekommen sind. Für das Lesen der „English Native“-Beispiele gibt es eine Schmunzelgarantie. „Broken English spoken perfectly“ und „Adults: 1 tablet 3 times a day until passing away“ sind meine persönlichen Schmunzelfavoriten.

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