Von ABHOTTEN bis CHILLEN

Anglizismen in der Jugendsprache

Die Jugendsprache ist und bleibt ein interessantes Phänomen, weil sie sich immer wieder Anglizismen einverleibt. Und Englisch können die jungen Leute von heute ja fast alle. Mit den folgenden vier Bereichen lässt sich das kurz exemplifizieren.

In der Skateboard-Szene nennen sie den Flip-Trick CATCHEN (to catch). Kommt es zu einem harten Sturz, so ist das ein SLAM (to slam down). Und eine der Sprungtechniken ist das POPPEN.

In der Graffiti-Szene geht es ähnlich zu: Wer es noch nicht so richtig kann, also noch kein perfekter WRITER ist, der ist eben ein TOY. Manche Sprayer setzen einen TAG (Signatur) unter ihr Werk, und sie nennen es PIECE, wenn es aufwendig und großflächig gestaltet ist. Dafür brauchen sie, wenn sie illegal sprayen wollen, einen geeigneten SPOT. Außerdem müssen sie aufpassen, dass sie nicht von einem CHECKER erwischt werden.

In der Musik-, Tanz- und Festival-Szene kann man ABHOTTEN oder ABRAVEN (= wild und ausgelassen tanzen). Beim Schlager-Move lässt sich mancher FLOAT (bunt geschmückter Festwagen) bewundern. Man hört die tiefen Töne in aggressiven Rap-Texten als GROWL oder GRUNT. Und man sagt ‚AIGHT‘ (all right), wenn ein Song gut und stimmig rüberkommt. Das wäre dann also ein FLOW. Dabei kann es zum HEADBANG kommen (schnelle Kopfbewegungen beim Tanzen, Zuhören oder Mitsingen). Und das gruppendynamische Mitsingen wird dann zum GANGSHOUT.

Kommen wir abschließend noch zur zwischenjugendlichen Szene: Da kann man gemeinsam CHILLEN (abhängen), aber auch mal etwas VERCHILLEN (vergessen, vertrödeln). Man kann sich ANRAVEN (anschreien) oder Jemanden CROSSEN (verärgern). Dabei kann man sogar ABSPACEN (verrückt werden, ausflippen). Ab und an trifft man auch mal einen SWAG (Angeber, Prahler oder auch lässig-cooler Typ). Aber viele wollen sich auch gern einmal AUFBITCHEN (bitch = Schlampe), womit ‚sich schön zurechtmachen‘ gemeint ist.

Fazit: Mit dem Kidnapping von Anglizismen hat sich die Jugendsprache immer wieder ganz schön AUFGEBITCHT.

Gastbeitrag von Helmut Reisener

Bildnachweis: Gordon Dionne: Skateboarding [Flickr]

 

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